Infos zum Flyer Schule und FASD

Um ein Kind/einen Heranwachsenden, der an der Behinderung FASD "leidet", von schulischer Seite möglichst gut zu fördern und die häufig auftretenden Störungen des Unterrichtsablaufs besser in den Griff zu bekommen, empfiehlt es sich, ...

- ... eine grundsätzlich positive Haltung aufzubauen (der/die SchülerIn mit FASD macht meistens die Probleme nicht mit Absicht, auch wenn es zunächst oft so scheint)

- ... einige wenige Grundsätze konsequent zu beachten (hilft aber auch oft bei anderen Kindern mit Problemen):



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Information

Wenn sich ein Kind mit FASD auffällig in der Schule verhält, bedarf es eines gewissen Grundwissens über die Behinderung.
Meistens hilft es, die stressigen Situationen so abzuändern, dass den Bedürfnissen dieses Kindes besser Rechnung getragen wird.
Entscheidend ist auch die Information, dass Vieles nicht absichtlich falsch gemacht wird.

Eine hervorragende Informationsquelle stellt die Ausstellung ZERO! (www.wenn-schwanger-dann-zero.de) dar, mit der auch im Kollegium und bei älteren Schüler*innen viel Wissen und Verständnis vermittelt werden kann.

Einfachheit

Zahlreiche Probleme in der Schule treten bei Kindern mit FASD auf, wenn Situationen zu Überforderung führen.
Dies fängt beim Klassenzimmer an, dessen Ausstattung überladen ist, ebenso kommt es bei Arbeitsblättern, die nicht in übersichtliche Arbeitsschritte in einfacher Sprache unterteilt sind, zu Stressreaktionen.

In der verbalen Kommunikation sollte auf kurze, klare Anweisungen geachtet werden. Wiederkehrende, einprägsame Handzeichen erweisen sich zur Unterstützung als sehr hilfreich.

Elternkontakt

Eltern können Lehrer*innen eine wertvolle Hilfe sein, wenn das Kind mit FASD im schulischen Bereich nicht klarkommt. Vor allem Pflege- und Adoptiveltern sind häufig wahre "Spezialisten" auf dem Gebiet. Sie wissen gut, was in Krisensituationen hilfreich sein kann.

Ideal wäre auch im Hinblick auf das gesamte Kollegium etwa eine Sammlung der besonderen Erfordernisse und Maßnahmen. Dies können Erziehungsberechtigte in kurzer schriftlicher Form liefern, sogar ein Kurzreferat eines Elternteils im Rahmen einer schulischen Fortbildungskonferenz ist denkbar.

Genauigkeit

Ein häufiges Phänomen der Behinderung FASD ist, dass diese Kinder oft in der Lage sind, auf jedes kleinste Detail zu achten.
Deshalb ist eine kurze, aber genaue Wortwahl ebenso wichtig wie das Einhalten möglichst kleinschrittiger Arbeitsaufträge. Je leichter die Anweisungen verstanden werden, desto unwahrscheinlicher ist ein Ausrasten in Folge von Überforderung.

Wiederholung

Durch die hohe Vergesslichkeitsrate bei Kindern mit FASD ist es notwendig, die entsprechenden Anweisungen im Idealfall immer wieder neu zu erteilen. Ein Verlassen darauf, dass ein Vorgang ja schon einmal ausführlich erklärt wurde, führt meistens zu Stress.

Hilfreich ist es, wenn die Einzelschritte vom Kind nochmals wiederholt werden, eine bildhafte Unterstützung etwa mit Fotos wäre wünschenswert.

Konkretheit

Sobald ein Sachverhalt zu abstrakt dargeboten wird, schaltet das Gehirn eines Kindes mit FASD ab und beschäftigt sich mit irgendwelchen "interessanteren" Dingen in der Umgebung.
Daher hilft es oft, die Unterrichtsthemen so zu präsentieren, dass die Erlebniswelt des Kindes dabei eine Rolle spielt. So bleibt das Interesse trotz Wahrnehmungsstörungen länger erhalten.

Routine

Der gesamte Ablauf des Schulalltags sollte bei einem Kind mit FASD möglichst gut vorhersehbar sein. Kommt es zu Änderungen, hilft eine rechtzeitige, mehrmals wiederholte Ankündigung.
Gerade bei normalerweise besonders motivierenden Anlässen wie Wandertagen, Unterrichtsgängen oder Klassenfahrten kommt es durch die Unterbrechung der Alltagsroutine bei diesen Kindern zu Problemen.

Hilfreich wäre (nicht nur hierbei) der Einsatz einer Schulbegleitung.

Stetigkeit

Wichtig für ein Kind mit FASD ist, dass die schulische Entwicklung sich über einen möglichst langen Zeitraum beständig, gleichmäßig und ohne Unterbrechung entwickelt. Geduld, Ruhe und kontrolliertes Auftreten der Lehrkraft führen seltener in eine negative Verhaltensspirale, aus der das Kind kaum mehr herausfindet.

Es ist auf jeden Fall gut, sich bewusst zu sein, dass etwa häufige Vertretungen, Lehrerwechsel oder gar die Versetzung in eine andere Klassengemeinschaft höchstgradigen Stress verursachen können.

Bei Regelverstößen sollte berücksichtigt werden, dass Tadel oder Belehrungen in den seltensten Fällen zielführend sind. Dagegen versprechen vorher klar definierte Konsequenzen, die sich möglichst nicht ändern sollten, oftmals einen Teilerfolg.
Hier wäre darüber hinaus auch eine Absprache unter den Kolleg*innen durchsua wünschenswert.

Beziehung

Der Aufbau einer Vertrauensbasis zwischen den Pädagog*inenn und dem Kind mit FASD sollte von Anfang der Schulzeit an im Zentrum stehen. Das Prinzip der Klassenlehrkraft kann hier einen guten Beitrag leisten.
Lassen sich häufige Wechsel der Unterrichtenden nicht vermeiden, sind Vertrauenslehrkraft und/oder Schulsozialarbeit gefragt.

Kommt es von Seite des Kindes mit FASD immer wieder einmal zu Vertrauensbrüchen, ist zu beachten, dass dies vielfach nicht beabsichtigt, sondern der Behinderung geschuldet ist.

Aufsicht

Durch den großen Bewegungsdrang, die oft auftretende Risikobereitschaft und die leichte Verführbarkeit ist ein besonderes Augenmerk auf eine möglichst umfasssende Aufsichtsführung zu richten.
Dies bedingt, dass auch im Rahmen der kollegialen Fortbildungen auf die besonderen Bedürfnisse eines Kindes mit FASD eingegangen wird.

Der Einsatz einer Schulbegleitung wäre (nicht nur an dieser Stelle) hilfreich.

Bindung

Ein nicht zu unterschätzender Vorteil ist, dass ein Kind mit FASD häufig unbewusst merkt, ob eine Bezugsperson eine "ehrliche" positive Bindung aufgebaut hat. Dies erleichtert in Fällen von Stress oder Blockaden immer wieder den Zugang und hilft dabei, nach Krisen einen guten Neustart machen zu können.

Geduld

Wenn die Lehrkraft immer wieder die gleichen Regeln erklären muss, erfordert dies ein gehöriges Maß an Geduld. Gerade bei Kindern mit FASD ist aber entscheidend, dass man stets versucht, ruhig zu bleiben, um manche Situationen nicht eskalieren zu lassen.
Dies benötigt viel Kraft und Ausdauer, es hilft aber, zu wissen, dass in den meisten Fällen Situationen nicht durch Provokation mit Absicht aus dem Ruder gleiten.



Stärken stärken

Auch wenn es schwer fällt, in der Hektik des Schulalltags auch noch auf die besonderen Bedürfnisse eines Kindes mit FASD einzugehen, sollte die Lehrkraft nicht in den Fehler verfallen, nur das Negative zu sehen und ständig Korrekturen in Richtung Angepasstheit an "normales" Schülerverhalten zu versuchen. Dies führt unweigerlich in schwierige Situationen.

Vielmehr können die Lehrenden sich zu Nutzen machen, dass Kinder mit FASD häufig im sportlichen, künstlerischen oder handwerklichen Bereich eine gewisse Begabung mitbringen. Manchmal können sie auch besonders gut mit jüngeren Schulkameraden oder Tieren und Pflanzen umgehen.Hier bieten sich zahlreiche Ansätze der positiven Anerkennung und des Übertragens von kleinen, verantwortungsvollen Extraaufgaben. Das führt bei so manchem Kind mit FASD wie durch ein Wunder zu positiver Entwicklung im sonst so schwierig zu bewältigenden Schulleben.



(c)2021 FASD-Netzwerk Nordbayern e.V.
Diese Seite bezieht sich auf den Flyer "Schule und FASD", den die FASD-Selbsthilfsgruppe Nordbayern in Zusammenarbeit mit dem FASD-Netzwerk Nordbayern e.V. 2021 herausgegeben hat.

Alle Rechte vorbehalten!


Den Flyer kann man hier als PDF-Datei herunterladen:

- Flyer zur Ansicht auf Bildschirm [7700 KB]

- Flyer zum beidseitigen Ausdruck (an kurzer Kante spiegeln) [966 KB]




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